Freiheitsgefühl

Wie Angst lähmen kann

Angst ist die Energie, die zusammenzieht, versperrt, einschränkt, weg rennt, sich versteckt, hortet und Schaden zufügt.

Liebe ist die Energie, die sich ausdehnt, sich öffnet, aussendet, bleibt, enthüllt, teilt und heilt.

Angst umhüllt unseren Körper mit Kleidern,
Liebe gestattet uns, nackt dazustehen.
Angst krallt und klammert sich an alles, was wir haben,
Liebe gibt alles fort, was wir haben.
Angst hält eng an sich,
Liebe hält weit und lieb.
Angst reißt an sich,
Liebe lässt los.
Angst nagt und wurmt,
Liebe besänftigt.
Angst attackiert,
Liebe bessert.

Jeder Gedanke, jedes Wort oder jede Tat eines Menschen gründet sich auf eine dieser beiden Emotionen. Darin habt ihr keine Wahl, denn es steht euch nichts anderes zur Wahl. Aber ihr habt die freie Wahl, welche der beiden ihr euch aussuchen wollt.

Neale Donald Walsch

In meinem frühen Leben hatte ich viele Situationen wo ich gelähmt war vor Angst. Diese ohnmächtige Angst ergriff meinen ganzen Körper und machte es mir unmöglich in irgendeiner Form reagieren zu können. Weder kämpfen noch flüchten war möglich, ich wollte nur verschwinden und mich unsichtbar machen.

Ein prägendes Ereignis erlebte ich als junge Frau. Ich war frei, unabhängig und übermutig. Mitten in der Nacht machte ich mich mit dem Auto auf den Heimweg. Ein anderer Heimkehrer kam mir gefährlich nahe bis ich realisierte, dass er mich verfolgte.
Konfuse Gedanken schossen wild durch meinen Kopf, was ein logisches Denken unmöglich machte. Mein Herz raste und drohte zu zerplatzen. Es pumpte mehr und mehr Blut in die Muskeln um mich allenfalls verteidigen zu können. Meine ganzen Sinne waren in höchster Alarmbereitschaft. Der Atem war ebenfalls auf Hochtouren, flach, weil in der Bauchgegend diese riesengrosse Angst war, die ich zu diesem Zeitpunkt nicht spüren wollte.

Ich fuhr in hohem Tempo durch die Dunkelheit, immer schneller. Der Verfolger ebenfalls. Leider war kein Ende in Sicht. Die einzige Gewissheit die ich hatte war, solange ich unterwegs bin kann mir nichts passieren. Nach gefühlten Stunden der Jagd bemerkte ich irgendwann, dass ich alleine durch die Gegend bretterte. Eine gewisse Erleichterung wurde spürbar, einhergehend damit nahm eine Höllenangst mehr und mehr Raum ein, wurde übermächtig. Zuhause angekommen brauchte ich Minuten bis ich fähig war das Schlüsselloch zu treffen. Endlich war ich in meinen vier Wänden, in Sicherheit. Ich war völlig erschöpft, zitterte am ganzen Leib, am Ende meiner Kräfte. Allmählich löste sich die ganze Anspannung in mir. Der Atem wurde ruhiger, der Puls schlug wieder in seinem gewohnten Rhythmus. Von mir und meinem Körper konnte ich immer mehr wahrnehmen. Teilweise schmerzte er, weil ich mich so sehr verkrampft hatte. Eine Art Muskelkater.

Das Ereignis hinterliess Spuren.

Es wurde schwierig mich frei zu bewegen. In Menschenansammlungen war es mir überhaupt nicht mehr wohl. Im Kino oder an einem Konzert musste ich in der Nähe des Notausgang sein, ansonsten spürte ich eine latente Panik in mir. Mein Leben hatte ein grosses Stück an Freiheit und Qualität verloren. Aus Angst zog ich mich immer mehr zurück, vergrub mich hinter Büchern oder verlor mich in der Arbeit. Das Leben zog an mir vorbei.

Wie kann ich mich überhaupt noch sicher fühlen?

Nichts und niemand konnte mir die Sicherheit vermitteln, die nötig gewesen wäre um mich wieder frei und unbeschwert bewegen zu können, also faktisch unmöglich. Kurzfristig verschafften mir diese Vermeidungsstrategien eine gewisse Erleichterung und Sicherheit. Längerfristig wurde ich einsamer und auch darin fand ich positives um mich der Thematik zu entziehen. Es wurde immer schlimmer und schwieriger. Hinzu kamen verschiedene körperliche Symptome.

Symptome

  • Kopfschmerzen
  • Anfälle von Zittern
  • Der Darm machte mir zu schaffen, Durchfall oder Verstopfung 
  • Schwindel 
  • Stress
  • Angst
  • latente Unsicherheit
  • Überempfindlichkeit
  • Schreckhaftigkeit
  • teilweise tiefe Trauer
  • Panikanfälle
  • Übelkeit
  • Albträume

Lösungsversuch

Viele der Glaubenssätze die ich mir zurecht gelegt hatte, die sich als Selbstbetrug entpuppten brachten keine Entspannung.

  • Es ist mir wohl dabei
  • Es geht mir gut
  • Ich komme damit klar
  • Es ist alles nicht so schlimm
  • Ich brauche diese sozialen Kontakte nicht
  • Einsamkeit ist nicht so schlimm
  • Ich habe die Natur und da geht es mir gut

Richtig wohl war es mir nicht. Ich bemerkte, dass sich aus der Angst öfters Panik entwickelte, wodurch meine Welt noch kleiner und eingeschränkter wurde. In der Panik war ich nicht mehr in der Lage zu denken oder zu handeln. Abgründe machten sich auf, beherrscht von einem Gefühl grosser Starre. Es begann eine endlose Abwärtsspirale.

Wo endet dies?

Ich wurde handlungsunfähig und war auf Hilfe von aussen angewiesen. Jemand der mich aus diesem Karussell befreien konnte. Nur Schritt für Schritt und mit viel Energieverbbrauch war ich jeweils fähig zurück zu kommen. Nach und nach konnte ich wieder Konturen im aussen wahrnehmen, fand halt auf dem Boden, spürte meine Füsse und bekam Verbindung zur Erde. Durch diese Verbundenheit konnte ich immer mehr von mir fühlen. Nach endlosen Zeiten war ich wieder im Zustand der Selbstbestimmung. Irgendwann war das Leiden zu gross. Ich wollte diesen Teufelskreis durchbrechen und auflösen. Traumatherapie brachte allmählich Erleichterung und Entspannung in meine Leben.

Befreiung, Sicherheit, Freiheit und Zufriedenheit begleiten mich.